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Informatik als Unterrichtsfach

Trotz der ständig wachsenden Digitalwelt wird über die Existenzberechtigung der Informatik als Unterrichtsfach nach wie vor debattiert. Lernt man Informatik nicht einfach bei der täglichen Arbeit? Braucht es deshalb ein spezifisches Unterrichtsfach? Und wer ist für den Informatikunterricht verantwortlich?

Klar lernt man den Einsatz von Informatikmitteln mittlerweile durch die tägliche Arbeit in diversen Fächern und mit der wachsenden Verbreitung von neuen Unterrichtsformen. Doch man könnte genauso sagen, man lerne die Deutsche Sprache indem man diese während des Unterrichts einfach anwendet. Und trotzdem gibt es selbstverständlich ein Unterrichtsfach “Deutsch�. Und es gibt ebenfalls ausgebildete Deutschlehrer. Kein Germanist würde akzeptieren, dass der Französischlehrer (ohne Ausbildung für die Deutsche Sprache) den Deutschunterricht hält. Doch wie sieht es mit der Informatik aus?

Oft wird Informatik von einem “fachfremden� Lehrer unterrichtet. Der Lehrer, der gerade Zeit hat und eine gewisse Affinität zur Informatik hat, wird verknurrt das Fach Informatik zu unterrichten. Zudem wird er dann gerade auch noch verantwortlich für die Wartung der Infrastruktur. Sollte die Informatik nicht auch durch entsprechende Fachkräfte unterrichtet werden? Es geht bei der Informatik nicht darum zu lernen, wie man etwas auf dem Internet sucht. Diese Fähigkeiten können gut im regulären Unterricht geschult werden. Viel spannender und wichtiger ist zu Wissen wie eine Suchmaschine überhaupt funktioniert.

Bei der Informatik geht es um viel mehr als nur die Benutzung von Computern und dem Internet. Der Schüler muss lernen die Mechanismen und Konzepte dahinter zu verstehen. Es geht darum, sich mit wichtigen Themen wie Modulierung, Objektorientierung, Sicherheit, Abstraktion, Logik etc. zu befassen. Nur so lassen sich viele der heutigen Technologien und Anwendungen erklären. Den eigentlichen Einsatz lernt der Schüler automatisch in anderen Fächern durch die Benutzung der verschiedenen Programme und Werkzeuge. Dies muss nicht Bestandteil des Informatikunterrichts sein.

Der Informatikunterricht kann übrigens sehr lebendig und unterhaltsam gestaltet werden, trotz der eher trockenen Materie der Logik und Analyse. Hier ein tolles Anwendungsbeispiel zum Thema Codierung/Decodierung. Wer kennt weitere Beispiele aus der Praxis?

Ich bin gespannt mehr über Ihre Erfahrungen mit und Meinung zur Informatik als Unterrichtsfach zu erfahren und bin auch gerne bereit einen Vortrag zu diesem Thema und/oder dem praktischen Einsatz von Informatik zu gestalten.

Der Verfasser dieses Beitrags, Ivo Bättig (ivo.baettig@genevalogic.com), arbeitet als VP Business Development bei der GenevaLogic

Weitere Infos zum Informatikunterricht: Schweizerischer Verein für Informatik in der Ausbildung (SVIA)

5 Responses to “Informatik als Unterrichtsfach”

  1. on 13 Sep 2006 at 18:37 leo

    Gerade in der uneinheitlichen Infrastruktur und Lernpläne sehe ich ein Problem. Die Infrastruktur müsst meiner Meinung nach professionell bereitgestellt und gewartet werden. Die Lernpläne müssten einheitlich und verständlich sein, dann würde auch ein “fachfremder” (wer ist dann heute von den jüngeren Lehrer noch fachfremd? Anwender ist heute ja jeder) Lehrer kein Problem haben.

    Auf die anderen Seite darf aber die Informatik auf keinen Fall zu wichtig genommen werden. Der Computer ist ein Hilfsmittel, Details (wie die oben erwähnte Codierung) werden später nur ein kleiner Teil der SchülerInnen beherrschen müssen. Auch die meisten Programm werden sich auch in Zukunft so schnell verändern das eine Ausbildung während der obligatorischen Schulzeit kaum Sinn macht. Gewisse Grundlagen sollte ein SchülerIn aber beherrschen um in der Berufswelt zu bestehen. Computer schon mal eingeschaltet, Maus bedient, Text geschrieben und eine Tabellenkalkulation bedient haben. Und beinahe noch wichtiger (weil später nirgends mehr erlernbar) ist Medienkompetenz (wobei klassische Medien ebenso dazu zählen). Der Umgang mit Informationen aus verschiedene Quellen muss unbedingt gelernt sein!

  2. on 14 Sep 2006 at 10:05 Ivo Bättig

    Kurz ein paar Kommentare des Verfassers zum Kommentar…

    - „Anwender ist heute ja jeder“ – Anwender reicht eben nicht! Genau um das geht es ja. Dazu braucht es keine Fachkräfte. Der Informatikunterricht soll nicht Anwendungen lernen, sondern die groben Ideen und Konzepte hinter all der Technologie. Technologie ist ja heute allgegenwärtig - Auto, Waschmaschine, Uhr, Computer, Telefon, etc. und es ist wichtig etwas hinter die Kulissen zu schauen.

    - „Auch die meisten Programme werden sich auch in Zukunft so schnell verändern das eine Ausbildung während der obligatorischen Schulzeit kaum Sinn macht“ – Genau das sage/meine ich. Es macht keinen Sinn Schüler auf einzelnen Programmen auszubilden. Die entsprechenden Programme werde automatisch in anderen Unterrichtsfächern resp. im Alltag trainiert. Ziel sollte es sein Ideen und Konzepte zu lernen und nicht Anwendungen.

    „Computer schon mal eingeschaltet, Maus bedient, Text geschrieben und eine Tabellenkalkulation bedient haben“ – Das reicht eben nicht. Dazu würden auch ein paar Stunden Unterricht reichen. Ziel sollte es sein Ideen und Konzepte zu lernen und nicht Anwendungen.

    „Details (wie die oben erwähnte Codierung) werden später nur ein kleiner Teil der SchülerInnen beherrschen müssen“ – Sehe ich auch so. Daher soll nicht das Kodieren im Mittelpunkt stehen, sondern das Ziel muss sein die entsprechenden Ideen und Konzepte zu verstehen.

  3. on 01 Feb 2007 at 10:48 Andreas Siebel

    Als angehender Informatiklehrer wollte ich zu Leos Kommentar nur etwas anmerken.

    Du sagst, die Informatik, wird überschätzt, weil der Computer doch nur ein Hilfsmittel sei. Auch in der Informatik ist der Computer aber nur ein Hilfsmittel zur Umsetzung theoretischer Konzepte.

    Und “Codierung” ist auf gar keinen Fall ein “Detail” (zumindest genauso wenig wie z.B. die “Differenzialrechnung” für die Mathematik, sondern eines der fundamentalen Konzepte der Informatik.

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