Digitale Lerntechnologien und KI haben den Lernalltag in der Erwachsenenbildung spürbar verändert. Gleichzeitig stellen sich neue Fragen: nach Qualität, nach Verantwortung und nach der Rolle der Ausbildenden. Künstliche Intelligenz wird dabei nicht als Ersatz verstanden, sondern als unterstützendes didaktisches Werkzeug.

Das überarbeitete SVEB-Weiterbildungszertifikat «Lernprozesse mit digitalen Lerntechnologien und künstlicher Intelligenz unterstützen» reagiert bewusst auf eine besondere Entwicklung im Einsatz der KI bei Lernprozessen. Es geht nicht mehr um einzelne Tools oder kurzfristige Trends, sondern um die gezielte Unterstützung von Lernprozessen mit digitalen Technologien und KI. Im Zentrum stehen die bewusste Gestaltung von Lernsettings, die methodische Einbettung digitaler Medien und die reflektierte Anwendung im beruflichen Alltag. So kann KI unter anderem auch Lernwege individualisieren, Reflexion fördern und administrative Aufgaben vereinfachen. Verantwortung, Beziehung und didaktische Klarheit bleiben jedoch zentrale Aufgaben der Ausbildenden. Genau diese Haltung vermittelt das Weiterbildungszertifikat. Der Mehrwert liegt damit nicht nur in technischer Anwendungskompetenz, sondern auch in Glaubwürdigkeit.

Wie sich Lernen in den letzten zehn Jahren verändert hat, worin sich das Weiterbildungszertifikat von reinen Tool- oder KI-Kursen unterscheidet und welche Kompetenzen Absolventinnen und Absolventen tatsächlich vorzeigen können, erläutert Nicole Erni, Kursleiterin bei der Lernwerkstatt Olten.

Nicole Erni, welchen Mehrwert und Nutzen bringt das Weiterbildungszertifikat «Digital Training» in Bezug auf Glaubwürdigkeit und Anwendungskompetenz?

Die Überarbeitung des Moduls ist eine direkte Antwort auf die tiefgreifenden Veränderungen in der Erwachsenenbildung. Digitale Lerntechnologien und insbesondere KI sind fester Bestandteil des Lernalltags geworden. Das bisherige Modul berücksichtigte digitale Medien bereits, konnte jedoch Dynamik, Geschwindigkeit und neue Fragestellungen rund um KI nicht mehr ausreichend abbilden.

Mit dem neuen Zertifikat wird klar, dass es nicht um einzelne Tools geht, sondern um das gezielte Unterstützen von Lernprozessen. Das Modul ist praxisorientierter aufgebaut, technologieoffen und gleichzeitig kritisch reflektierend. Künstliche Intelligenz übernimmt eine unterstützende Rolle: Sie erweitert didaktische Möglichkeiten, ersetzt jedoch keine Ausbildnerin und keinen Ausbildner. Genau diese Haltung stärkt die Glaubwürdigkeit und Professionalität von Ausbildenden.

Was unterscheidet das Weiterbildungszertifikat «Digital Training» von einem reinen Tool- oder KI-Kurs?

Ein Tool- oder KI-Kurs zeigt meist, wie ein bestimmtes Werkzeug funktioniert. Das Weiterbildungszertifikat «Digital Training» geht weiter. Es befähigt Ausbildende zu entscheiden, warum, wann und in welchem Kontext digitale Technologien sinnvoll eingesetzt werden.

Der Fokus liegt auf didaktisch fundierter Gestaltung, Umsetzung und Reflexion von Lernprozessen. Ein zentrales Element ist der Kompetenznachweis: Teilnehmende setzen einen realen, digital unterstützten Lernprozess um, begründen ihre Entscheidungen, holen Feedback ein und reflektieren ihre Rolle. Zusätzlich werden rechtliche und ethische Fragen wie Datenschutz, Urheberrechte und Verantwortung behandelt.

Welche Kompetenzen können Absolventinnen und Absolventen nach dem Kurs vorzeigen?

Sie können digitale Lernprozesse mit Erwachsenen bewusst planen, wirksam umsetzen und kritisch reflektieren. Digitale Medien werden gezielt ausgewählt und sinnvoll in Lernsettings integriert. Typische Aha-Erlebnisse entstehen häufig durch die Erkenntnis, dass KI keinen Kontrollverlust bedeutet, sondern Klarheit und Struktur schaffen kann. Ausbildende erleben sich nach dem Kurs stärker als Begleitende von Lernprozessen. Zusätzlich gewinnen sie Sicherheit im Umgang mit rechtlichen und ethischen Fragestellungen.

Wenn Sie an klassische Weiterbildungen vor zehn Jahren denken – was hat sich geändert und was wird sich im Lernalltag von Erwachsenen verändern?

Früher stand Wissensvermittlung mit klaren Abläufen im Vordergrund. Heute lernen Erwachsene bewusster, selbstgesteuerter und stärker aus ihrer eigenen Erfahrung heraus. Sie kommen mit konkreten Fragen, möchten den Sinn hinter dem Lernen verstehen und wissen, wie Inhalte im Alltag helfen. Und: Die Vielfalt der Lernenden ist grösser geworden. Unterschiedliche Generationen und Lernbiografien treffen aufeinander. Digitale Lerntechnologien und KI unterstützen diese Entwicklung durch flexiblere Lernformate und individuelle Zugänge. Gleichzeitig hat sich die Rolle der Ausbildenden verschoben – hin zur Begleitung von Lernprozessen.

Sie selbst arbeiten schon länger mit digitalen Lerntechnologien. Können Sie ein konkretes Beispiel aus Ihrer eigenen Praxis nennen?

In meiner Praxis erstelle ich Erklärvideos mit Unterstützung von KI, um Lerninhalte klar, ruhig und verständlich aufzubereiten. KI nutze ich zur Strukturierung von Inhalten, zur Formulierung von Skripten und zur Visualisierung von Kernaussagen. Das Video selbst bleibt bewusst menschlich – Stimme, Tempo und Beispiele sind auf erwachsene Lernende abgestimmt. KI unterstützt den Prozess, ersetzt ihn aber nicht. Ergänzend arbeite ich mit Podcasts, ebenfalls mit Unterstützung von KI. Der Podcast schafft zudem Nähe, ohne Präsenz zu verlangen. Zusätzlich setze ich KI für Lernzielkontrollen ein. Diese dienen nicht der Kontrolle, sondern der Selbstüberprüfung. Das schafft Orientierung und stärkt die Eigenverantwortung im Lernprozess.

Der aktualisierte Kurs behandelt neben KI auch Themen wie datengetriebenes Lernen (Data Driven Learning), Gamification sowie Virtual und Augmented Reality. Wie bewerten Sie die Bedeutung dieser Technologien für die Erwachsenenbildung?

Die Bedeutung dieser Technologien ist aus meiner Sicht sehr gross, wenn sie bewusst und zielgerichtet eingesetzt werden. Datengetriebenes Lernen, Gamification sowie Virtual und Augmented Reality eröffnen neue Möglichkeiten, Lernprozesse wirksamer, nachhaltiger und näher am Alltag erwachsener Lernender zu gestalten. Datengetriebenes Lernen unterstützt vor allem die Orientierung im Lernprozess. Werden Lernfortschritte sichtbar gemacht, stärkt dies die Selbstwirksamkeit und erhöht die Lernmotivation. Kurze Selbstchecks oder Reflexionsfragen helfen, Inhalte einzuordnen und zu verankern. Gamification ist aus neurobiologischer Sicht besonders wirksam. Spielen reduziert Stress, erhöht die emotionale Beteiligung und verbessert die Gedächtnisleistung. Virtual und Augmented Reality sprechen mehrere Sinneskanäle gleichzeitig an. Lernen wird nachhaltiger, wenn Sehen, Hören und Handeln kombiniert werden. Immersive Lernumgebungen ermöglichen Erfahrungen, die im realen Alltag schwer zugänglich sind. Das Gehirn verarbeitet diese Erlebnisse ähnlich wie reale Erfahrungen, was den Transfer in den Alltag deutlich erleichtert.

Wenn wir in fünf Jahren zurückblicken: Worüber werden wir schmunzeln?

Wir werden uns erinnern, wie beeindruckt wir von den ersten KI-Möglichkeiten waren – und wie schnell sich Technik weiterentwickelt hat. Gleichzeitig wird klar bleiben, dass nicht alles, was überzeugend wirkt, auch echt ist. Was nicht belächelt wird, sind Weiterbildungseinrichtungen, die früh erkannt haben, dass es nicht um Technik an sich geht, sondern um Haltung, Medienkompetenz und kritisches Denken. Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz, sondern ein Werkzeug. Gute Weiterbildung entsteht dort, wo Neugier, Erfahrung und menschliche Begleitung zusammenkommen.

SVEB-Weiterbildungszertifikat

«Lernprozesse mit digitalen Lerntechnologien und künstlicher Intelligenz (KI) unterstützen»

In dieser SVEB-Weiterbildung werden Sie fit für die digitale Welt des Lehrens und Lernens. Sie lernen, digitale Technologien und künstliche Intelligenz (KI) gezielt einzusetzen, um Lernprozesse mit Erwachsenen wirkungsvoll zu planen, umzusetzen und zu reflektieren.

  • Zielgruppe: Ausbilder/innen, Berufsbildner/innen, Praxisausbilder/innen, Lehrpersonen, Dozierende, Coaches und Mentorinnen und Mentoren die einfach und praxisorientiert digitale Lernwelten gestalten möchte.
  • Dauer: 4 Tage
  • Kosten: 1560.–

Infos zum SVEB-Weiterbildungszertifikat